Um die Fibromyalgie in ihrem Wesen zu verstehen, ist es notwendig, sich mit einem grundlegenden Konzept der Neuroanatomie vertraut zu machen: dem Metamer. Es handelt sich um eine funktionale Einheit des Nervensystems, die den Schlüssel zur Interpretation vieler scheinbar nicht zusammenhängender Symptome des fibromyalgischen Syndroms darstellt.
Was ist ein Metamer
Ein Metamer ist ein funktioneller Abschnitt des Körpers, der von einem Segment des Rückenmarks gesteuert wird. Jedes Metamer verbindet über Nervenbahnen die Hautregion (Dermatom), die Muskeln (Myomer), die Knochen und Gelenke (Scleromer) sowie die inneren Organe (Visceromer), die dem entsprechenden Wirbellevel zugeordnet sind.
Das bedeutet, dass eine Veränderung in einer Komponente des Metameres auch Auswirkungen auf die anderen haben kann. Ein leidendes Organ kann Schmerzen in der entsprechenden Muskelregion verursachen; eine Muskelverspannung kann die Hautempfindlichkeit verändern; eine viszerale Störung kann sich als Gelenksteifigkeit manifestieren.
Die metamerische Überlastung
Bei Fibromyalgie befinden sich die Metameren in einem Zustand der bioelektrischen Überlastung. Die sensorischen Reize, die von Haut, Muskeln und Organen zum Rückenmark gelangen, sind übermäßig und verursachen Kurzschlüsse innerhalb des Metameres. Das Nervensystem, das nicht in der Lage ist, diesen Überfluss an Informationen zu verarbeiten, produziert anomale Reaktionen:
- Persistierende Muskelverspannungen
- Veränderungen der Hautempfindlichkeit
- Funktionsstörungen der zugehörigen inneren Organe
- Übertragener Schmerz in scheinbar weit entfernten Bereichen von der Ursache
Warum der Schmerz verbreitet ist
Die metamerische Natur der Fibromyalgie erklärt, warum der Schmerz so verbreitet und variabel ist. Wenn mehrere Metameren betroffen sind — und bei ausgeprägter Fibromyalgie sind es fast alle — verteilen sich die Symptome über den ganzen Körper und schaffen das Bild von generalisierten Schmerzen, das das Syndrom kennzeichnet.
Die Rolle des vegetativen Nervensystems
Jedes Metamer ist auch Sitz von Fasern des autonomen Nervensystems (sympathisch), das unwillkürliche Funktionen wie die lokale Blutzirkulation, das Schwitzen, den Tonus der Gefäße und die Beweglichkeit der inneren Organe reguliert. Wenn das Metamer überlastet ist, verändern sich auch diese Funktionen, was Symptome wie kalte Hände, anormales Schwitzen, Verdauungsstörungen und Herzklopfen erklärt.
Eine integrierte Sichtweise
Die metamerische Perspektive bietet einen grundlegenden Vorteil: Sie ermöglicht es zu verstehen, wie scheinbar nicht zusammenhängende Symptome — Nackenschmerzen, gastroösophagealen Reflux, Kribbeln in den Händen — eine gemeinsame Ursache im Überlastung eines oder mehrerer Metameren haben können. Dieses Verständnis eröffnet den Weg zu gezielten und effektiven therapeutischen Interventionen, die auf die Ursache und nicht nur auf die einzelnen Symptome abzielen.
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